Die zehn Jahreszeiten des phänologischen Kalenders
Die zehn phänologischen Jahreszeiten

Die zehn Jahreszeiten des phänologischen Kalenders

Wusstest du, dass man unser Jahr auch in zehn anstatt nur in vier Jahreszeiten aufteilen kann? Nach Karl Förster sind es immerhin sieben, hier will ich euch aber die zehn Jahreszeiten des phänologischen Kalenders näherbringen.

Wozu braucht man denn mehr als vier Jahreszeiten?

Nun, die vier bekannten Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind ziemlich starr im Kalender festgelegt. Dabei gibt es in Bezug auf den Entwicklungsstand der Natur nicht nur regional sehr grosse Unterschiede, sondern auch die Klimaveränderungen verschieben die Vegetationsphasen der Pflanzen und die Entwicklungsstadien in der Tierwelt.

Die Phänologie (griech. Die Lehre der Erscheinungen)

Die Phänologie beschäftigt sich mit den Zeitpunkten, zu denen Pflanzen und Tiere in bestimmten Entwicklungsphasen sind. Sie beobachtet sogenannte Zeigerpflanzen (Wild-, Nutz- und Zierpflanzen) in Bezug auf Blüte, Blattaustrieb oder -abwurf. Das Spannende daran ist, dass man dadurch Daten erheben kann, die an jedem Standort völlig unterschiedlich ausfallen können. Der Vorfrühling mit der Hasel- und Schneeglöckchenblüte beispielsweise kann im Norden Deutschlands zu einem ganz anderen Zeitpunkt beginnen als im süddeutschen Mittelgebirge. Diese Daten werden übrigens von ehrenamtlichen Helfern gemeldet und vom Deutschen Wetterdienst erfasst (Quelle). So wird also gemeldet, wann an welchem Standort die ersten Schneeglöckchen blühen, wann die Eichen ihr Laub fallen lassen oder die Lindenblüte den Hochsommer einläutet.

Die vorangegangene Jahreszeit wird jeweils von der folgenden abgelöst, was reichlich logisch ist. Aus diesen Daten lässt sich auch ablesen, wie sich die Vegetationsperioden über die Jahre verändert haben. Zum Beispiel hat sich der Winter seit der Datenerfassung 1961 von 120 auf 103 Tage (Stand 2017) verkürzt.

Eine Übersicht

In der folgenden Grafik habe habe ich die zehn Jahreszeiten dargestellt. Dafür habe ich Daten vom Deutschen Wetterdienst und von einem ausführlichen Bericht des NDR genutzt.

Eine Übersicht über die zehn phänologischen JAhreszeiten: Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst, Winter

Wie können wir die Phänologie für uns nutzen?

Der Phänologie liegt dem Namen nach zugrunde, dass wir die Natur beobachten. Aus ihren Entwicklungstadien können wir Rückschlüsse ziehen.

Beispielsweise ist die Forsythienblüte ein guter Zeitpunkt, um die Rosen zu schneiden – mit dem Rückschnitt der Stauden sollten wir zu diesem Zeitpunkt bereits fertig sein, denn sie treiben nun schon aus . Der Fall des Eichenlaubs dagegen zeigt uns, dass die Pflanzen (bis auf die Winterblüher) in die Vegetationsruhe gegangen sind. Wir können nun also Strauch- und Baumschnitt angehen.

Eine grosse Bedeutung hat die Phäologie für Landwirtschaft und Obstbau, denn hier ist man in besonderem Masse von den Entwicklungsstadien der Natur abhängig.

Ein Aufruf zu mehr Achtsamkeit

Wir Gärtner halten uns naturgemäss viel im Freien und in der Natur auf. Vielleicht gelingt es uns, unsere Sinne zu schärfen um die Veränderungen, die manchmal schleichend und machmal so plötzlich da draussen vor sich gehen wahrzunehmen. Denn beim Beobachten orientiert man sich einmal mehr weg von sich, von seinem Inneren und fokussiert sich auf das, was uns umgibt und uns beeinflusst – ob wir es nun wahrnehmen oder nicht.

Ich möchte dich einladen, mit offenen Augen durch die Natur zu gehen, dich hier und da zu bücken um ein spriessendes Grün unter dem Winterlaub zu entdecken. Oder dich zu strecken, um das frisch entwickelte, noch knittrige Blatt eines Baumes zu erstasten und zu erkunden. In der Natur geschieht so vieles um uns herum, das meiste ganz leise und unaufdringlich und dennoch unbeirrt. Da ist so viel Kraft und Lebenswille in aller Zartheit verborgen.

Der phänologische Kalender gibt uns viel mehr Grundlagen zur Beobachtung als der kalendarische und meteorologische Kalender es können.

Also, sag mir: Beobachtest auch du deine Umwelt aufmerksam und nimmst den Kreislauf der Natur wahr?

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